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Rechtlerverband und Gemeinde Pfronten schließen Grundsatzvertrag für Freizeit- und Tourismus

Die Gemeinde Pfronten hat mit dem Rechtlerverband Pfronten und der Wald- und Weiderechtlergenossenschaft Pfronten eG als größten Grundstückseigentümer die Freizeit- und Tourismusnutzung auf den Privatwegen im Gemeindegebiet neu geregelt.

Erster Bürgermeister Alfons Haf und Rechtlervorstand Christian Neutzner unterzeichneten am 15. März 2021 die neue Grundsatzvereinbarung.

Der Erholungsdruck auf Wander- und Radwege wird in den letzten Jahren immer größer. Die Gästezahlen steigen, der Tagesausflugsverkehr nimmt zu und ist in den Zeiten der faktischen Grenzschließung zum Nachbarland Tirol so hoch wie nie zuvor. Urlauber, Ausflügler und Einheimische suchen in Coronazeiten verstärkt individuell nutzbare Infrastrukturen wie Wege zu Freizeit- und Erholungszwecken. Mountainbiker sind dank Elektroantrieb auf Bergstrecken unterwegs, die zuvor nur von leistungsorientierten Radlern befahren wurden.

Diese erhöhte Nachfrage stößt auf Natur- und Landschaftsräume, die neben den Erholungszwecken einer Vielzahl von weiteren Interessen gerecht werden sollen. Neben dem Schutz von Lebensräumen und einzelnen Arten oder der Schutzfunktion der Böden sind dies vor allem die wirtschaftlichen Interessen der Grundstückeigentümer, die Einkünfte aus der Nutzung der Wald-, Weide- und Wiesenflächen erzielen. Und häufig ist es die Attraktivität der Flächen geradezu von der Bewirtschaftung abhängig. Wanderer und Radler nützen die Wege zur Erschließung der Flächen, kehren in Berghütten ein und genießen das Landschaftsbild der Alpflächen und Bergwiesen, die sich ohne Beweidung oder Mahd im Laufe der Jahre wieder zu Waldflächen entwickeln würden. Die Bewirtschaftung wird erschwert, wenn sich Erholungssuchende nicht an Wegesperrungen zu Rodungszwecken halten, abseits der Wege mit Mountainbikes fahren oder zu Nachtzeiten unterwegs sind.

Die Gemeinde Pfronten und der Rechtlerverband Pfronten sind sich bewusst, dass die Lösungsmöglichkeiten dieser Nutzungskonflikte vielfältig sind. Die Maßnahmen reichen von der Kommunikation von Verhaltensregeln, über die zeitgemäße Besucherlenkung mit analogen und digitalen Medien, attraktive, zeitlich und räumlich gesteuerte Angebote bis hin zu Ge- und Verboten.

In der am 15. März 2021 unterzeichneten Vereinbarung regeln die Beteiligten jetzt die Grundlage für diese Maßnahmen. Der Vertrag regelt umfassend Belange der Bau- und Unterhaltslast, des Haftungs- und Versicherungsrechtes sowie der Markierung von Rad- und Wanderwegen.

„Mit dieser Vereinbarung können wir die unterschiedlichen Nutzungsansprüche in unserem Gemeindegebiet besser koordinieren. Nachdem wir 2017 in einem Projekt der Bergwaldoffensive den Interessenausgleich zwischen Wald, Jagd, Naturschutz und Tourismus über eine räumliche Zuordnung über das gesamte Gemeindegebiet erreicht haben, ist jetzt die Grundlage für besucherlenkende Maßnahmen auf Wander- und Radwegen geschaffen“ erläutert Pfrontens Erster Bürgermeister das Vorgehen der Gemeinde.

Auch für den Vorstand des Rechtlerverbandes Pfronten  und der Wald- und Weiderechtlergenossenschaft Pfronten eG Christian Neutzner ist die Wegevereinbarung ein Meilenstein. „Wir stehen zu der Verantwortung, auf unseren Flächen auch Erholungszwecke zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen wir die Bewirtschaftung dieser Flächen sicherstellen. Die Vereinbarung mit der Gemeinde ist für uns ein wichtiger Schritt in Richtung einer naturverträglichen Freizeitnutzung. Es sind aber noch viele Hürden zu überwinden, bis die Lenkung des derzeitigen Freizeitdruckes und eine verträgliche Lösung zwischen Naturnutzung auf der einen und Bewirtschaftung und Naturschutz auf der anderen Seite verwirklicht ist.“, so Rechtlerchef Christian Neutzner

Vertragsunterzeichnung 15. März 2021 (Photo Gemeinde Pfronten) (von links nach rechts) Christian Neutzner, Vorstand Rechtlerverband Pfronten und Wald- und Weiderechtlergenossenschaft Pfronten eG sowie Erster Bürgermeister Alfons Haf unterzeichnen den Grundsatzvertrag zur Freizeit- und Tourismusnutzung auf Wander- und Radwegen